Fasten - Zum Hochgefühl durch Nahrungsverzicht

Zehn Beverstedter Landfrauen fasten eine Woche am Ihler Meer in Ostfriesland

 

von Sabine Schmidt

 

„Reichst du mir bitte mal den Fastentee rüber“, so lautete einer der meist gesprochenen Sätze, wenn sich die Fastengruppe dreimal täglich im Gemeinschaftsraum traf. Zehn Frauen des Landfrauenvereins Beverstedt fasteten eine Woche lang am Ihler Meer in Ostfriesland nach der Buchinger Methode unter der Leitung von Elvira Böhmer. Das so genannte Tee-Saft-Heilfasten erlaubt nur flüssige Nahrung, Wasser, Tee, frisch gepresste Säfte und klare Gemüsebrühen.

 

Die meisten Teilnehmerinnen haben bereits Fasten-Erfahrung und schwören auf die positiven Wirkungen. Fasten entgiftet nicht nur den Körper, sondern macht auch den Kopf frei. Durch den Nahrungsverzicht wird die Wirkung des Glücksbotenstoffs Serotonin im Gehirn verstärkt. Dadurch erleben viele Fastende ein Hochgefühl. Doch um zu diesem Fasten-Hoch zu gelangen, steht zuerst ein „Großputz“ an. Die „alten Fastenhasen“ nehmen den Neulingen schnell die Angst vor dem „Glaubern“, 30 Gramm Glaubersalz aufgelöst in Wasser und mit frisch gepresstem Orangensaft aufgefüllt, muss in einem Zug getrunken werden. „Los, nicht lang schnacken, Kopf in Nacken.“ Danach noch ein paar Tassen Tee in gemütlicher Runde und die Reinigung nach dem Motto „Alles muss raus“ beginnt.

 

Ist der Darm gut entleert und ruhig gestellt, verspürt man keine Hungergefühle mehr und der schöne Teil der Fastenkur beginnt. Die Beverstedter Landfrauen genießen die nächsten Tage in vollen Zügen und berichten in Gesprächsrunden von Glücksgefühlen, Gelenken, die endlich wieder schmerzfrei sind, von verschwundenen Kopfschmerzen und einer reinen und viel glatteren Haut. Allmorgendliches Tautreten, tägliche Wanderungen durch Ostfriesland zum Kloster Ihlow oder durch Felder und Wiesen stärken Körper und Seele. Fastenleiterin Elvira Böhmer ermuntert die Gruppe zusätzlich: „Wandern stabilisiert den Kreislauf und unterstützt die Entgiftung.“ Offensichtlich schärft das Fasten auch die Sinne, Gerüche werden viel intensiver wahr genommen, die Augen freuen sich noch mehr an der gerade aufblühenden Natur.

Beim Wandern in der Gruppe findet man immer einen Gesprächspartner, dem man stundenlang zuhören oder den man ausfragen und zutexten kann. Man spricht über Beruf und Privates, gerne auch über Krankheiten und Gewichtsprobleme. Will man zwischendurch allein sein und einfach nur die Landschaft genießen, lässt man sich etwas zurückfallen oder legt einen Zahn zu und schon umfängt den Wanderer himmlische Ruhe.

 

Ein Höhepunkt des Tages sind die von Elvira Böhmer aus frischen Zutaten gekochten Brühen zur Mittagszeit. Tomaten-, Fenchel-, und verschiedene Gemüsebrühen gespickt mit frischen Kräutern, die zuvor bei den Wanderungen in Wald und Flur gesammelt wurden, werden von den fastenden Frauen mit Hingabe und in Ruhe mit allen Sinnen genossen. In der irrigen Annahme, wer so streng fastet, muss auch ausgiebig ruhen und darf sich nicht anstrengen, haben sich die drei Neulinge der Fastengruppe im Vorwege mit Lesestoff eingedeckt. Aber wenn sich der Körper erstmal von äußerer auf innere Ernährung umgestellt hat, strotzt man nur so vor Energie, will nicht lesen, sondern raus in die Natur und Fahrradfahren oder noch eine Runde wandern.

 

Für die Zeit nach dem Fasten nehmen sich die Beverstedter Landfrauen fest vor, auch zu Hause mehr auf Körper, Geist und Ernährung zu achten und hoffen, dass die 76-jährige Elvira Böhmer auch im nächsten Jahr wieder als Leiterin für die schon traditionelle Fastenwoche am Ihler Meer zur Verfügung steht.

Heike Otten-Ortac

"Ich faste, weil das Fasten mir und meinen Knochen gut bekommt und ich meinen Körper reinigen möchte."

Hannelore Mirchel

"Ich faste, weil die Entgiftung mir und meinen Gelenken gut tut."

Ingrid Brünjes

"Ich faste, weil ich meinen Körper natürlich entlasten möchte. In der Gruppe fällt es mir besonders leicht."


DREI FRAGEN

an Elvira Böhmer

Warum sollte man fasten?

"Um die Erfahrung zu machen, für eine begrenzte Zeit auf feste Nahrung verzichten zu können. Fasten kann ein Einstieg sein, um seine Ernährung zu überdenken und zu verändern."

 

Darf jeder fasten?

"Nur gesunde Erwachsene sollten fasten und bei den ersten Tagen des Fastens Ruhe einplanen. Im Zweifel immer den Arzt fragen."

 

 

Welche positiven Wirkungen hat das Fasten?

"Während des Fastens werden eingefahrene Gewohnheiten unterbrochen, zum Beispiel mal schnell einen Hamburger mit Pommes zu essen. Es wächst die Bereitschaft, mehr Achtsamkeit für das Essen einzuplanen."

Anneliese Runge

"Ich faste, weil ich merke, dass ich mich durch Verzicht wohlfühlen kann."


WEITERE IMPRESSIONEN

Eine Gästeführerin erklärt der Fastengruppe den Kräutergarten am Kloster Ihlow.

In einem Tee-Seminar lernten die Landfrauen, wie aus Kräutern Tee zubereitet werden kann und welche Wirkung die verschiedenen Kräuter haben.


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